Die vier Jahreszeiten – “Der Wintermarkt” (deleted scene)

Die vier Jahreszeiten – “Der Wintermarkt” (deleted scene)

Oktober 3, 2019 0 Von Julia Valentina

Hach ja, der Winter kommt und es ist Zeit für ein wenig Romantik, oder? 😉

Daher gibt es jetzt eine Szene, die ich für „Die vier Jahreszeiten“ geschrieben habe, die es aber nicht ins Buch geschafft hat.

Warum ist die Szene nicht im Buch?

Naja, ich hatte ursprünglich die Idee, dass im Olymp dauert Feste abgehalten werden. Wie der „Wintermarkt“, der hier in dem Ausschnitt erwähnt wird, aber irgendwie hat der dann in die Hauptgeschichte nicht mehr reingepasst.

Vor allem aber haben mir die Interaktionen mit Hades und Persephone nicht so gefallen zu dem Zeitpunkt.

Kurze Hintergrundinfo für diejenigen, die mein Buch „Die vier Jahreszeiten“ nicht gelesen haben.

Persephone wird als eine der Auserwählten in den Olymp geschickt, um einen der drei Söhne dort zu heiraten. Doch Persephone hasst diese veraltete Tradition und, dass sie für ein Jahr in den Olymp „gesperrt“ wird. Sie hofft, dass sie unauffällig wieder verschwinden kann, wenn das Jahr rum ist. Doch so leicht entkommt sie dem Olymp nicht und ihr Temperament sowie ihre direkte Art verkomplizieren alles. Denn im Olymp gibt es keine Widerworte.

Hades, dem Ältesten der drei Brüder, bleibt ihre Eigenart nicht verborgen. Doch im Gegensatz zu den anderen Bewohnern des Olymps findet er Persephone erfrischend und aufregend.

Diese Szene ist inspiriert von „Secret Love Song“ von Little Mix.

Viel Spaß beim Lesen!


Persephone

Persephone stand bei Hera und Medusa und bewunderte die Lichtergerlanden, die sich durch die Äste der großen Eiche schlangen. Die bunten Lichter funkelten über die weitläufige Terrasse und führten die Treppe hinab in den Garten, in dem der berühmte Wintermarkt stattfand.

Persephone hielt an den Stufen inne und ließ den Blick über den Markt schweifen. Mit allen ihren Sinnen versuchte sie dieses Bild festzuhalten. Sie klammerte sich daran. Denn für einen kurzen Moment – für eine Nacht – verdrängte der atemberaubende Anblick des Marktes die Tatsache, dass sie im Olymp gefangen war.

Persephone lächelte und diesmal war es nicht erzwungen. Diesmal war es ein aufrichtiges Lächeln. Sie saugte all die Schönheit in sich auf. Ein Hauch von Unbeschwertheit erfasste ihr Herz.

“Der Wintermarkt ist wunderschön”, seufzte sie und schnupperte in der Luft. Der Geruch nach Zimt und anderen süßlichen Aromen lag in der Luft. Sie hörte die Gäste lachen und reden. Die Stimmung war entspannt. Es war wie in einem Traum. Warum konnte der Olymp nicht immer so sein?

„Ja, ist er”, stimmte Hera zu und vergrub ihre Hände in ihrem dicken Fellmantel. „Lasst uns zum Feuer gehen und etwas heißen Met mitnehmen.”

Persephone folgte den Mädchen in den geschmückten Garten, in dem es kleine Essens- und Getränkestationen gab. Diener des Olymps versorgten dort die Gäste mit Naschereien und Getränken. Es gab zudem lustige Spielereien, in denen man sich messen oder kleine Preise gewinnen konnte.

Hera ging zu einer kleinen Bar am Ende der Treppe, an der heißer Met und Tee ausgeschenkt wurde. Persephone erkannte Hestia und nickte ihr lächelnd zu. Die Köchin zwinkerte ihr verschwörerisch zu.

Hera und Medusa traten an die Bar und berieten sich, was sie trinken sollten. Es gab Met in den verschiedensten Geschmäckern. Persephone war sichtlich erstaunt über die Vielfalt. Nachdem Hestia Persephone ihren geliebten Chai Tee gegeben hatte, beriet sie die anderen beiden Mädchen bei dem Met.

Geduldig wartete Persephone auf Hera und Medusa, während sie den Blick über die Gäste und den Markt wandern ließ, bis ihre Augen an einem bekannten Gesicht hängen blieben. Ihr Mund zuckte zu einem Grinsen und ein warmes Gefühl erfüllte ihre Brust.

Hades stand mit seinem Vater und zwei älteren Männern an einem anderen Stand nicht weit von der Bar. Jeder hatte ein dampfendes Getränk in der Hand, während Kronos ausgelassen gestikulierte und vor sich hin plapperte. Die beiden Männer hingen an seinen Lippen. Sie lachten und hörten begeistert zu, aber sogar von hier erkannte Persephone, wie aufgesetzt und verlogen deren Verhalten war.

Persephone hatte Kronos noch nie so ausgelassen und angetrunken gesehen. Bei dem Anblick wurde ihr unbehaglich. Ihr Blick glitt zurück zu Hades, der stoisch neben seinem Vater stand. Er war ganz in Schwarz gekleidet, als würde er zu einer Beerdigung gehen. Alles war Schwarz bis auf die kleine rote Tulpe, die in einem Knopfloch steckte. Die Tulpe hatte Persephone ihm dort hineingesteckt.

Hades‘ Blick war abwesend und sein Gesicht unlesbar. Persephone verspürte den Drang, zu ihm hinüber zu gehen und mit ihm zu reden. Er wirkte so einsam zwischen den lebhaften Gästen.

Hades hob den Kopf und seine Augen fanden ihre, als hätte er gespürt, dass sie ihn beobachtete. Persephone lächelte ihm zu, während ihr Herz flatterte. Warum machte Hades sie nur so nervös?

Sie hob ihren Chai Tee, um ihn zu zu prosten. Hades’ Lippen zuckten zu einem Lächeln und in seine Augen trat ein weicher Ausdruck. Er erwiderte den Prost und hob ebenfalls sein Getränk.

„Persephone, willst du keinen Met?”, wandte sich Hera an sie und Persephone löste widerwillig den Blick von Hades.

„Oh nein, ich trinke nicht gerne Alkohol und Hestias Chaitee ist einfach zu gut.”

„Ok, gut.” Hera hackte sich bei Persephone und Medusa unter. „Lasst uns zum Feuer gehen und … oh! Da steht ja Hades!”

Persephone verzog das Gesicht, als Hera beschloss, dass sie unbedingt zu ihm hinüber gehen mussten. Hades lächelte freundlich den drei Mädchen zu, als sie zu ihm gingen.

„Hades, ich hätte dich nicht so früh hier erwartet”, meinte Hera grinsend. „Gibt es einen besonderen Grund, warum du bereits hier bist und uns mit deiner Anwesenheit beglückst?”

„Vater wollte unseren Gäste den Wintermarkt zeigen”, erklärte Hades, bevor er sich an Persephone wandte. “Wie gefällt dir der Wintermarkt, Persephone?”

„Ich liebe ihn!”, erwiderte sie begeistert und grinste. „Die Lichter, die Düfte … das Feuer. Es ist alles unglaublich schön.”

„Wir wollten gerade zum Feuer gehen”, warf Hera ein und schob sich vor Persephone und somit zwischen Hades und sie. „Möchtest du uns begleiten?”

Hades schaute zu seinem Vater, der seinen Gästen zu prostete und seinen Met in einem Schluck leerte. Persephone musterte Kronos wachsam. Auch wenn der Herrscher des Olymps eine gute Zeit zu haben schien, entspannte das Persephone ganz und gar nicht. Denn sie wusste, was hinter seine lockeren Fassade steckte und das machte ihr Angst.

„Ich fürchte ich bin noch im Dienst, aber sobald Vater …”

„Hera!”, rief Kronos, als er die drei Mädchen bemerkte. Er schob seinen Sohn beiseite, um Heras Hand zu ergreifen. Der Geruch von Met schlug Persephone entgegen und, als sie die glasigen Augen von Kronos sah, wusste sie, dass er zu viel getrunken hatte.

Hera lächelte gezwungen, als Kronos sie eng an sich zog und somit von Persephone und Medusa trennte. Er legte ihr bestimmt eine Hand um die Hüfte.

„Hera, du bist wie immer eine Augenweide.” Er schaute zu den beiden älteren Männer, während Hera versuchte sich ihm zu entwenden. „Oder? Was sagen die Herren dazu?”

Die anderen Männer stimmten lautstark zu und begafften Hera mit lüsternden Blicken. Persephone ballte die Hände zu Fäusten, während Medusa den Blick senkte.

„Danke, Herr, Ihr schmeichelt mir”, meinte Hera und versuchte sich aus seinem Griff zu entwinden, doch Kronos hielt sie fest und seine Hand glitt tiefer. Persephone öffnete den Mund und wollte gerade Kronos in seine Schranken weisen, doch Hades trat vor sie und nahm Kronos’ Hand von Hera.

„Vater, die Mädchen waren gerade auf den Weg zum Feuer”, erklärte er in einem strengen Ton und schob Hera von dem brüskierten Kronos weg. „Ich denke, sie haben sicherlich keine Lust langweilige Politikgesprächen zu lauschen.”

Persephone musterte Kronos, der seinen Sohn anstarrte. Es war keine Liebe in seinen Augen. Stattdessen erkannte sie verletzten Stolz. Kronos’ Augen zuckten zu Hera und Medusa, dann zu Persephone, die seinem Blick trotzig erwiderte.

Kronos hielt inne und zog seine dichten Brauen zusammen. Er schien für einen kurzen Moment irritiert. Wahrscheinlich hatte noch nie eine Frau ihm so trotzig entgegen geschaut, dachte sich Persephone.

„Persephone, du bist genauso schön wie deine Mutter”, meinte Kronos und beugte sich mit einem schmierigen Grinsen zu ihr vor. Sein Met getränkter Atem strich über ihr Gesicht. Ihr wurde schlecht. „Und du hast dasselbe Feuer in den Augen. Sag, Mädchen, was denkst du? Sind diese politischen Gespräche zu langweilig für euch? Wollt ihr uns Herren nicht mit eurer Schönheit Gesellschaft leisten?”

„Glaubt mir, Herr …”, begann Persephone und suchte nach den passenden Worten. Bei Kronos fühlte sie sich immer, als würde sie auf einem Drahtseil hoch über einer Grube von Krokodilen das Gleichgewicht halten müssen. Ein falsches Wort, eine unpassende Bemerkung, und sie würde in den Tod fallen.

„… Ihr wollt nicht wissen, was in dem Kopf eines jungen Mädchens vorgeht. Vor allem, wenn es um Politik und dergleichen geht. “

Persephone neigte respektvoll den Kopf. „Ich wünsche den Herren auf jeden Fall noch viel Spaß bei den wichtigen Politikgesprächen, aber ich mich jetzt entschuldigen und ein wenig am Feuer wärmen. Die Kälte hier im Olymp bin ich einfach noch nicht gewohnt.“

Hades’ Blick ruhte auf Persephone und sein Kiefer war angespannt, als Persephone die beiden Mädchen mit sich von Kronos wegzog.

Wenig später standen Hera, Medusa und Persephone an dem Feuer und aßen Lebkuchen. Während Hera und Medusa über die anderen Gäste lästerten, schaute Persephone zu dem Labyrinth, das im Dunkeln abseits des Marktes lag.

Persephone wusste nicht, wofür Kronos ein Labyrinth in seinem Garten brauchte, aber sie ahnte nichts Gutes. Dieses Labyrinth hatte etwas Unheimliches an sich. Als würde es ein dunkles Geheimnis verbergen wollen.

Persephone entdeckte drei rot glühende Augenpaare, die im Schatten der dichten Hecke zu ihr hinübersahen. Ein Lächeln trat auf ihr Gesicht.

„Entschuldigt mich, ich muss kurz einem Freund Hallo sagen”, erklärte sie den beiden Mädchen und ging davon, ehe diese etwas erwidern konnten. Als sie an der Hecke ankam, erkannte sie den großen Höllenhund. Seine drei Köpfe hoben sich und der Schwanz wedelte erfreut, als sie zu ihm in den Schatten trat.

„Hey Großer!”, grüßte sie Cerberus und streichelte ihn über seine drei Köpfe. Einer der Köpfe schleckte ihr über die Wange. Persephone kicherte und gab ihm ihre restlichen Lebkuchen. Genüsslich verschlang der Hund die Naschereien.

„Er mag dich.”

Persephone zuckte erschrocken zusammen und warf Hades einen mürrischen Blick zu.

„Es gefällt dir, mich zu erschrecken, oder?”

„Ein wenig.”

Persephone verzog das Gesicht und kraulte Cerberus, während Hades neben sie trat.

„Danke, dass du Hera von deinem Vater weggezogen hast“, flüsterte Persephone und hob den Kopf, um ihn anzusehen.

Hades mied ihren Blick. „Nicht der Rede wert.“

Hades und Persephone schwiegen eine Weile, während Cerberus zufrieden hechelte. Hades streichelte seinen Höllenhund, der die Berührungen seines Herren sichtlich genoss.

Persephone neigte den Kopf, während sie Hades‘ Profil musterte. „Hades, du hast ein gutes Herz. Ich hoffe, das weißt du.“

Hades‘ Augen suchten ihre und er drehte sich zu ihr um. „Ich hoffe, du weißt, dass …“ Er zögerte und Persephone zog ihre Augenbrauen zusammen.

„Was?“

„Ich hoffe, du weißt, dass es nur wegen dir ist.“

Persephones Herz flatterte und Wärme durchdrang ihre Brust. Sie lächelte und verlor sich in seinen blauen Augen. Auf einmal war ihr bewusst, wie nah sie sich waren und das machte sie nervös, aber auf eine gute, aufregende Art.

„Flirtest du etwa gerade mit mir?”, raunte Persephone und ihre Wangen glühten.

„Ein wenig”, gestand Hades leise und trat näher. Persephones Herzschlag rauschte in ihren Ohren und ihr Blick glitt zu seinen Lippen. Sie hielt den Atem an, als er sich zu ihr hinunterbeugte. Seine Lippen berührten beinahe ihre. Persephone wollte gerade die Augen schließen, als Hades zurückwich.

„Was …?”, brachte Persephone verletzt heraus. “Warum bist du …?”

„Wir … ich sollte das nicht tun.“

“Warum nicht?”

Persephone verstand nicht. Sie schüttelte den Kopf. In Hades’ Augen lag ein Ausdruck, der ihr das Herz brach.

“Warum nicht?”, wiederholte sie und kam auf ihm zu. Hades wich zurück und sie erkannte Tränen in seinen Augen.

„Ist es wegen deinem Vater? Wegen deinen Brüdern? … also mir …”

„Nein”, unterbrach er sie und seine Stimme war scharf. Sie schnitt Persephone wie ein Messer durch die Haut. Nun war sie es, die zurückwich.

„Nein”, sagte er mit sanfterer Stimme. „Entschuldige, ich …” Er suchte ihren Blick und sie sah, wie verletzt er war. Diesmal versteckte er seine Gefühle nicht.

„Aber ich verstehe nicht …”, murmelte Persephone.

Hades trat zu ihr und umfasste ihre Schultern. Seine Berührung jagten ihr eine Gänsehaut über den Körper. Sie hielt den Atem an.

„Es geht nicht, Persephone, weil mein Vater alles zerstört, was mir etwas bedeutet.” Seine Stimme zitterte, sein Kiefer war angespannt. „Und ich kann nicht riskieren, dass du verletzt wirst. Das … das hält mein Herz nicht aus.”

Hades umfasste ihr Gesicht und sie sahen sich an. Persephone erkannte die Verzweiflung in seinen Augen und es zerriss ihr das Herz. Ihre Augen verwoben sich ineinander. Die Luft zwischen ihnen schien zu knistern und Persephone spürte die Hitze seines Körpers, die ihren streichelte.

Persephone atmete zittrig ein und wollte sich an ihn drücken. Sie wollte ihn küssen, wollte ihn an sich spüren … sie wollte ihn.

Und er wollte sie. Sie erkannte es in seinen Augen. Es war die gleiche Sehnsucht. Das gleiche Verlangen.

Auf einmal zog Hades sie zu sich und presste seine Lippen auf ihre. Persephone keuchte auf. Ihr war, als würde die Zeit stehen bleiben. Ihr Herz jagte durch ihre Brust wie ein wilder Schmetterling und gerade, als sie seinen Kuss erwidern wollte, löste er sich von ihr.

„Entschuldige”, murmelte er aufgelöst. „Bitte vergiss … vergiss, was eben passiert ist. Das ist das Beste für dich … für uns.”

Persephone spürte immer noch seine Lippen auf ihren und starrte ihn sprachlos an. Sie wussten nicht, was sie sagen oder denken sollte. Die unterschiedlichsten Gefühle schossen durch ihren Körper, als er sie los ließ.

Dann eilte Hades zurück zum Wintermarkt und ließ Persephone mit rasendem Herzen zurück. Sie sank in den Schnee, ohne die Kälte und den Frost wahrzunehmen.

Sie fasste sich mit zittrigen Fingern an ihre Lippen. Fassungslos und ungläubig.