Kurzgeschichte: Medusa & Artemis

Kurzgeschichte: Medusa & Artemis

Juni 25, 2019 0 Von Julia Valentina

Die zündende Idee zur Kurzgeschichte „Medusa & Artemis“

Die Vorgeschichte zu „Medusa und Artemis“ ist die Liebesgeschichte um Persephone und Hades in „Die vier Jahreszeiten“. Denn, als ich diese fertig geschrieben habe, ging es mir wie jedem Autor, der sein Buch beendet. Ich bin in ein tiiiieeefes Loch gefallen …

Life is over Gif
Quelle: Giphy

Die Charaktere – die drei Auserwählten und die drei Brüder – haben mich monatelang begleitet und ich habe mit ihnen gelitten, gefeiert und mich den Tücken des Olymps gestellt.

Doch dann war es aus und, weil ich irgendwie nicht los lassen konnte und mich gefragt habe, was denn danach passiert, kam mir die zündende, wunderbare Idee eine Kurzgeschichte zu schreiben. So viel zu Abschied nehmen … 😀

Was ist bisher passiert?

Fanart: Medusa (©JuliaValentina)

Der Olymp ist gefallen und der Herrscher Kronos ist nicht mehr (zu der Geschichte gibt es bald ein E-Book. 😉 ). Medusas uralter Familienfluch ist ausgebrochen und seit dem ist sie auf der Flucht.

Doch niemand weiß genau, was mit ihr passiert ist und wie dieser Fluch aktiviert wurde.

Hera – die beste Freundin von Medusa – versucht verzweifelt, ihre Freundin zu finden. Sie ist davon überzeugt, dass sie Medusa retten kann.

Doch Medusa sieht das nicht so. Für sie gibt es keine Rettung. Verzweifelt flieht sie vor Heras Männern und wird monatelang gejagt, während sie eine Spur aus versteinerten Männern hinter sich lässt.

Während ihrer Flucht trifft Medusa auf die furchtlose Jägerin Artemis, die ihr nicht nur das Leben rettet, sondern in ihr Gefühle weckt, die sie lange verborgen hatte.


Medusa und Artemis treffen das erste Mal aufeinander:

„Entschuldige?” Medusa drehte den Kopf zu der Frau und schaut zu ihr hoch. „Was gibt dir das Recht so etwas zu sagen? Selbst, wenn sie keine guten Menschen waren, NIEMAND verdient so ein furchtbares Schicksal.”

Die Frau schaute sie verblüfft an. Ihre dichten Augenbrauen hoben sich, während ihre dunklen Augen sie taxierten. Ihre Haut glänzte wie schwarzes Ebenholz und ihr Körper war stark und sehnig. Medusa hatte noch nie eine Frau gesehen, die so selbstbewusst und furchtlos vor ihr stand wie sie.
Sie hatte einen Bogen und ein Köcher mit Pfeilen über ihren breiten Rücken geschnallt und sie trug einfache, aber praktikable Klamotten, die normalerweise Männer für die Jagd trugen. Medusa wusste nicht, was sie von dieser Frau halten sollte. Sie war gleichzeitig fasziniert, aber auch irritiert. Diese Frau entsprach absolut nicht dem Frauenbild, das Medusa kannte.
Die Jägerin hatte ihre Hände in die Hüften gestemmt und musterte Medusa eine Weile schweigend. Ihre Augen schienen in ihrem Gesicht nach etwas zu suchen. Medusa fühlte sich wie ein Tier vor einem Jäger, der überlegte, ob er es erlegen sollte oder nicht.
Dann formten sich die Lippen der Jägerin auf einmal zu einem frechen Lächeln.
„Gute Antwort”, sagte sie und ihre Augen blitzten auf.

Ausschnitt aus der Kurzgeschichte: „Medusa & Artemis“

Mythologischer Hintergrund und welchen Einfluss dieser hatte

In den einzelnen Beiträgen zu Medusa und Artemis habe ich deren mythologischen Hintergrund bereits erklärt. Doch worauf ich nochmal eingehen wollte ist, welchen Einfluss die Mythen auf meine Geschichten haben.

Medusa – „Das Opfer, das zum Monster gemacht wurde.“

Das spannende an Medusas Geschichte ist, dass sie zu dem „Monster“ wurde, weil sie von der Göttin Athene bestraft wurde. SIE wurde bestraft, aber NICHT Poseidon, der sie in einer Variante vergewaltigt hat und in der anderen verführt. Das ist übrigens ein Klassiker in der griechischen Mythologie.

Medusa und Artemis
Fanart: Medusa & Artemis (©JuliaValentina)

Wenn man von Medusas monsterhaften Aussehen und dem Männer versteinern absieht, dann ist sie schlicht und ergreifend das Opfer der Götter. Dabei spielt es keine Rolle, welche Mitschuld einer von den Göttern hatte, Medusa wird für ihr restliches Leben bestraft und muss damit klar kommen.

Medusa ist daher in meinen Geschichten das typische „Opfer der Umstände“. Ihr Schicksal scheint für sie in Stein gemeißelt. Es ist etwas, über das sie meint keine Gewalt zu haben. Deswegen ergibt sie sich dem Fluch ohne große Wehr und denkt ihr Schicksal wäre damit besiegelt.

Artemis – „Die Jägerin, die zu direkt ist.“

Doch ihre „versteinerte“ Meinung wird durch Artemis aufgerüttelt. Die furchtlose Jägerin imponiert Medusa mit ihrem Selbstbewusstsein. Sie ist jemand, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt und sich nicht um die Meinung der anderen schert. Sie geht ihren Weg, egal, wie hart oder unerreichbar dieser scheinen mag.

In der griechischen Mythologie ist Artemis die Göttin der Jagd und kümmert sich nicht viel um das Götterleben. Stattdessen ist sie im Wald unterwegs, jagt und vergnügt sich mit den Nymphen.

Doch Artemis kennt keinen Spaß, wenn es darum geht, dass sie sich entblößt fühlt oder wenn ihr jemand auch nur ein wenig auf den „Schlips“ tritt. Da kann sie ganz schnell zur erbarmungslosen Rachegöttin werden.

Meine Artemis ist daher genauso engstirnig und wirkt oft grob. Mit ihrer direkten Art eckt sie bei anderen an. Im Kontrast dazu hinterlassen Medusas Sanftmütigkeit und ihr gutes Herz ihren Einfluss bei der robusten Jägerin, die manchmal doch zu schnell ihr Urteil fällt.


Wer ist hier das Monster?

„Hast du die Männer …?” Medusa verstummte und wich Artemis’ Blick aus. Sie wagte es nicht, ihr in die Augen zu schauen. Seit sie von den Männern angegriffen worden waren, hang der dunkle Gedanke – diese verhängnisvolle Frage, ob Artemis diese Männer umgebracht hatte – über Medusa und hatte ihr Herz umschlossen.

„Habe ich die Männer WAS?”, hakte Artemis nach und ihr Griff um Medusas Arm verfestigte sich.
„Nun, du weißt schon”, erwiderte Medusa unruhig und versuchte sich von ihrem Griff loszumachen, doch Artemis hielt sie weiter fest.
„Medusa, schau mich an und sag mir ins Gesicht, was du gerade über mich denkst.”
Medusa hob den Kopf und Artemis’ dunkle Augen bohrten sich in ihre. Ihre Miene war unnachgiebig und hart.
„Sag es”, zischte sie und ihre Finger schlossen sich so fest, um Medusas Arm, dass es wehtat.
„Artemis, du tust mir weh”, keuchte Medusa und die Schlangen auf ihrem Kopf hissten warnend zu Artemis.

Ausschnitt aus der Kurzgeschickte „Medusa & Artemis“

Lies die Kurzgeschichte zu Medusa und Artemis auf Sweek, Wattpad oder hol dir PART 1 hier als PDF.

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