5 Lektionen zum Storytelling, die ich von Marvelfilmen gelernt habe (PART 1)

5 Lektionen zum Storytelling, die ich von Marvelfilmen gelernt habe (PART 1)

Mai 14, 2019 0 Von Julia Valentina

Avengers: Endgame hat nicht nur das Box Office gerockt und krass aufgerüttelt, sondern hat auch Fans überall auf der Welt überwältigt und ihnen alles gegeben, was man sich hätte wünschen konnte.

Als großer Marvelfan war ich begeistert. obwohl das wahrscheinlich noch ein zu kleines Wort dafür ist. 😀

Bis jetzt war ich viermal in dem Film, aber ich werde wohl noch ein-bis zweimal reingehen. #commitment

Mit Endgame geht eine Ära zu Ende. Denn die Geschichte um die Infinity Stones ist abgeschlossen und damit geht auf zu neuen Ufern und neuen Abenteuern. Obwohl ich ganz ehrlich gesagt noch nicht weiß, ob ich bereit dafür bin …

Captain America in Trauer.
Some move on. Not us. Right, Cap? (Quelle: Giphy) ©MarvelStudios

Weil ich mich von diesen traurigen und schmerzenden Gedanken ablenken muss (und weil ich noch nicht loslassen will!), dachte ich mir, ich mache, was jeder Autor macht. Ich schreibe darüber! 😉

Da all die Lektionen etwas vom Inhalt her explodiert sind, habe ich beschlossen die Storytelling Lektionen in drei Teile aka drei Artikel aufzuteilen.

Aber jetzt ohne weitere Tränchen in den Augen und großes Blabla hast du jetzt hier meine 5 Lektionen zum Storytelling (Part 1).

Viel Spaß!

ACHTUNG! Dieser Artikel enthält harte Spoiler und hartes Fangirling! Weiterlesen auf eigene Gefahr. 😉

1. Der Thanos Mythos

aka „Jeder Bösewicht ist der Held in seiner Geschichte“

Thanos ist der große Bad Boy in der Marvel Infinity Storyline. Anfangs ist er allerdings noch ein Mysterium.

Denn in den ersten Avengerfilmen wissen wir zwar, dass es da draußen irgendwo eine Bedrohung gibt, aber konkret zeigt er sich erst in den letzteren Filmen.

Thanos grinst.
Ja, da schaut er auch noch bissle anders aus. XD Hach ja, good old days, was? @MarvelStudios

Zunächst befinden wir uns also in diesem:

Da ist jemanden, der ziemlich Badass und ultraböse ist, aber so richtig genannt wird er nie. Es ist ein bisschen wie „Du weißt schon wer“ von Harry Potter.

Thanos Mythos Lektion 1:

Dein Bösewicht muss also nicht gleich präsent sein und in deine Geschichte reinplatzen. Wie bei Harry Potter kann eine unheilvolle Präsenz da sein. Etwas, das jeden in Anspannung und Angst versetzt, aber der Zuschauer oder Leser weiß noch nicht genau warum.

Das baut Spannung auf und gibt deinem Bösewicht eine geheimnisvolle Aura.

Thanos als Bösewicht
Badass Auftritt von Mr. Motherf$%&er ©MarvelStudios

In Infinity War ist es aber dann endlich so weit und wir sehen Thanos das erste Mal in Aktion. Gleich in den ersten Szenen wird gezeigt, wie gefährlich und mächtig der Mad Titan ist.

Er bringt hunderte Unschuldige um, verprügelt Hulk und Thor – die stärksten Avengers, die in den vorherigen Filmen unbesiegbar schienen – und tötet Loki vor Thors Augen. #dafuckMarvel

Thanos Mythos Lektion 2:

Wenn du deinen Bösewicht zeigst, zeige auch, WARUM er so gefürchtet wird. Du kannst das, zum Beispiel, nach dem klassischen „Kill the Dog“-Prinzip (das Gegenteil von dem bekannten „Save the cat“. Mehr dazu hier.) machen. In Thanos’ Fall war es, dass er gewissenlos Unschuldige umbringt und einfach mal stärker als Hulk und Thor zusammen ist.

Das macht ihn nicht nur unberechenbar und bedrohlich, sondern dem Zuschauer oder Leser wird suggeriert, dass NIEMAND vor ihm sicher ist. Jeder könnte durch seine Hand sterben! Auch die geliebten Helden …

Vor allem aber löst das Zweifel und Angst im Zuschauer oder Leser aus, denn auf einmal ist die Möglichkeit, dass es kein Happy End gibt, einem Vollgas in die emotionale Fresse geschlagen worden.

Thanos Smash!
Thanos, smash! ©MarvelStudios

In dem Film Infinity War lernen wir noch mehr über Thanos, seinen Charakter, seine Beweggründe und seine Vergangenheit kennen.

Bis davor war er ja “nur” der Motherf$%&er, der die Hälfte des Universums auslöschen will. Jetzt bekommt er aber auf einmal mehr Hintergrundgeschichte.

Thanos lebte einst auf dem Planeten Titan und hat dort schwere Hungersnot und Elend erfahren. Es gab nicht genug zu Essen, um all die Bewohner zu ernähren und es wurde brutal um jede Nahrung gekämpft.

Aus Verzweiflung, Hunger und Angst war die Idee geboren, dass man doch einfach die Hälfte der Bevölkerung auslöschen sollte. Dabei sollte man aber wahllos vorgehen. Weder Status, Geschlecht noch Alter sollten einbezogen werden und somit hätte man wieder genug Vorräte für all die hungrigen Münder.

Wenn man den Wahnsinn dahinter jetzt mal dezent wegschiebt, scheint das eine gerechte Lösung zu sein. Etwas, das Sinn ergeben könnte, wenn dabei nicht unschuldige Leben auf dem Spiel stehen würden.

Quelle: Pinterest / ©MarvelStudios

Irgendwie versteht man Thanos ein wenig. Irgendwie weiß man jetzt, warum er so handelt und warum er glaubt, dass er für einen guten Zweck “kämpft” (oder eher tötet).

Und voilá!

Auf einmal sympathisiert man mit dem Bösewicht. #daaaamnyou!

Thanos Mythos Lektion 3:

Dein Bösewicht braucht eine Hintergrundgeschichte. Er braucht Persönlichkeit, Erfahrungen und Ereignisse, die ihn geprägt haben und ihm zu dem Menschen (oder Monster oder wie auch immer man das dann bezeichnen mag) gemacht haben, der er heute ist.

Das macht deinen Bösewicht als Charakter komplexer und spannender. Am Besten ist es auch, wenn du es schaffst, dass der Zuschauer in Konflikt gerät.

Und ganz schnell wird der verrückte Motherf$%&er, der das halbe Universum auslöschen will, jemand, den man versteht. Er wird „menschlicher“ und das ist eine weitere Würze für deinen glaubwürdigen Bösewichten.


Fazit zum Thanos Mythos

  1. Du musst deinen Bösewicht nicht gleich am Anfang zeigen. Du kannst auch ein Mysterium aufbauen und damit Spannung erzeugen.
  2. Zeige deutlich, warum er der böse ist. Lass ihn ein wenig von der Leine und mit seinen bösen Machenschaften spielen.
  3. Bösewichte müssen komplex sein. Gib ihnen eine glaubwürdige Hintergrundgeschichte und mache ihn dadurch menschlicher.

Ein weiteres Beispiel aus dem MCU für einen glaubwürdigen Bösewicht:

Im ersten Avengers Film war Loki, Thors Bruder und God of Mischief, der Bösewicht. Auch wenn hier bereits Thanos seine Finger im Spiel hatte, denn er hat Loki mit dem Mind Stone Zepter ausgestattet und seine Armee dann auf New York gehetzt.

Doch Loki wurde uns nicht als Bösewicht vorgestellt, sondern als der Bruder von Thor. In dem ersten Thorfilm hat er noch an der Seite seines Bruders gekämpft und verzweifelt versucht die Wertschätzung von Odin zu gewinnen.

Mini-Lektion am Rande:

Das kann zum Beispiel auch eine Art von Mysterium sein. Der Bösewicht muss erstmal nicht böse sein, sondern kann sich im Lauf deiner Geschichte zu einem entwickeln.

Lokis Hintergrundgeschichte, dass er von Odin adoptiert wurde, gibt ihm eine verletzliche und komplexe Seite. Vor allem, wenn man zusätzlich erfährt, dass Odin ihm nie gesagt hat, dass er adoptiert ist und dass sein leiblicher Vater auch noch der Erzfeind von Asgard ist.

Loki erkennt, dass er ein Frostgiant ist.
Die Scheiße muss man auch erstmal verarbeiten ©MarvelSrudios

Ja, Odin ist ganz groß in Erziehung! Der Allvater der guten Erziehung quasi.

Im Grunde kann man den Thanos Mythos auch mit einem aussagekräftigen Zitat zusammenfassen:

Every villain is the hero in his own mind.

Tom Hiddleston

Die 4 (großen) weiteren Lektionen folgen in den nächsten Artikeln über die nächsten Wochen verteilt. Sei gespannt!

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