Gedankensalat: Heimatgefühle

Gedankensalat: Heimatgefühle

Mai 7, 2019 3 Von Julia Valentina

Heimatgefühle.

Wenn ich dieses Wort früher gelesen habe, dann war es etwas Schönes. Es war verbunden mit Gefühlen wie „sich daheim und wohl fühlen“. Es hatte den Beigeschmack von Geborgenheit und es hat von einem Ort und von Menschen erzählt, bei denen ich mich akzeptiert und geliebt fühle.

Heimatgefühle ist auch immer noch etwas Schönes. Doch mittlerweile hat dieses Wort für mich zwei Seiten wie bei einer Medaille. Oder, um es in Nerdsprache auszudrücken: Es gibt die dunkle und helle Seite der Macht … äh … Heimat.

Die helle Seite der Heimat

In der Heimat gibt es Orte und Menschen, die geben mir ein warmes Gefühl. Ein Gefühl, dass ich vermisst wurde und dass ein richtiges Interesse an meiner Person und Entwicklung da ist.

Da sind Menschen, mit denen fühlt es sich gut an und es ist wie, wenn man sich letzte Woche erst gesehen hat und man versteht sich immer noch bestens. Man kann stundenlang ratschen und sich austauschen. Es ist wie, wenn man nie weg gewesen wäre.

Es gibt diese speziellen Orte, die mein Herz zum Flattern bringen und zu denen ich mit einem breiten Grinsen komme. Bei denen ich mich wohl fühle. Wo meine Wurzeln tief verankert sind und der Boden nährhaft ist.

Dort fühle ich mich bestärkt und ermutigt. Dort kann ich Kraft tanken. Dort kann ich ich selbst sein ohne mich rechtfertigen zu müssen.

Ich weiß, dass ich gesehen werde und dass ich egal, wann ich zurückkomme, immer mit offenen Armen empfangen werde. An diesen Orten ist meine Geschichte verankert und meine Spuren sind noch sichtbar.

An diesen wunderbaren Orten und von diesen lieben Menschen habe ich auch vieles gelernt. Denn dort habe ich angefangen, meine Flügel langsam auszubreiten. Mit hopsenden Schritten und mit deren Unterstützung habe ich mich langsam daran gewagt, größer zu träumen und mehr zu wagen.

Das sind die guten Heimatgefühle beziehungsweise die helle Seite der Heimat, die ich vermisse und die meine Wurzeln stärken.

Die dunkle Seite der Heimat

Doch es gibt auch diese anderen Heimatgefühle. Die, die mir sehr deutlich machen, dass ich aus meinen Wurzeln hinausgewachsen bin. Dass ich nicht mehr dazugehöre. Dass ich die Komische bin, weil ich es gewagt habe, zu verändern und mich weiter zu entwickeln.

Es gibt auch Orte und Menschen, die mich schwer atmen lassen und die mein Herz einengen. Die mir das Gefühl geben, dass sie mich nicht so akzeptieren, wie ich bin. Die mich mit alten Augen sehen und blind sind für die Veränderung und Entwicklung, die ich gemacht habe.

Es gibt Menschen, die das Neue nicht akzeptieren können. Nicht, weil sie es nicht können, sondern weil sie es nicht wollen. Aus Angst, es könnte ihr Weltbild zerstören. Aus Angst es könnte ihre kleine Seifenblase zerplatzen lassen.

Es gibt Orte, die machen mich traurig, denn sie erinnern mich an Seiten, die ich nicht an mir mag oder an Momente in meinem Leben, an denen ich mich nicht gut gefühlt hatte.

Diese Orte engen mich ein und nehmen mir die Luft zu atmen, weil sie starr und unveränderlich bleiben. Weil sie so engstirnig sind und sich einfach nicht ändern wollen.

Diese Orte und Menschen geben mir das Gefühl, dass ich ertrinke in einem Strudel an eingefahrenen Traditionen und Anschauungen.

Hell oder dunkel? Wer ist stärker? Wer hat die Macht über dich?

Heimatgefühle sind wie Wellen ein beständiges auf und ab. Manchmal füllen sie dich und nähren dich mit warmen, guten Gefühlen. Sie bestärken dich und tragen dich an neue Ufer. Sie sind die Wellen unter dir, die dir das Gefühl geben, du könntest fliegen.

Manchmal schlagen sie aber auch erbarmungslos auf dich ein und versuchen dich in den Abgrund zu reißen. Sie zerren an dir, während du angestrengt zum Ufer schwimmen willst. Sie versuchen dich zurückzuhalten. Vielleicht, weil sie nicht daran glauben, dass du es schaffst. Oder, weil sie zu große Angst haben, dass du dann nicht mehr zurückkommst.

In dem Kampf bleibt mir nur eine Option: Entweder ich reite die Wellen oder ich lasse mich von ihnen aufhalten.


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