Gedankensalat: Liebe Teenager-Jule

Writing Prompt: Schreibe einen Brief an dein 14-jähriges Ich

Ok … (lässt die Finger knacken) … dann schreibe ich das mal. Ich meine, das wird sicherlich nicht super emotional oder so …


Liebe Teenager-Jule,

ja, ich weiß, du magst es nicht, wenn man dich „Teenager“ nennt. Das ist ein bescheuertes Wort und wird es auch immer bleiben. Da sind wir uns auch heute noch einig.

Das Lustige ist, dass ich jetzt doppelt so alt bin wie du. Da muss ich nur lächeln und den Kopf schütteln, denn – verdammte Scheiße nochmal! – hat sich viel getan in all den Jahren! Ja, wir fluchen immer noch ziemlich krass. Aber wir zügeln uns mehr in der Öffentlichkeit.

Aber wir haben uns so krass verändert, Jule.

Wir haben wirklich eine Metamorphose durchgemacht. Wir sind von er kleinen Raupe zu einem Schmetterling geworden. Genau wie wir es uns immer gewünscht haben. Wir haben es geschafft! Woop! Woop!

Ich weiß, dass du momentan dein Leben nicht magst. Du bist oft traurig und fühlst dich alleine und unverstanden. Du fühlst dich wie ein Außenseiter – sogar in deiner eigenen Familie.

Jemand, der komisch ist und so ganz andere Interessen als alle anderen hat. Aber das ist okay! Komisch und anders sein, ist gut. Das ist deine Stärke.

Natürlich zeigst du keinem, was wirklich in dir vorgeht. Niemand weiß, was für ein trauriges und melancholisches Mädchen du bist. Denn du musst ja immer die Starke sein. Die, die immer lächelt und jeden anderen aufmuntert, auch wenn sie selbst am liebsten in den Arm genommen werden will. Die, die anderen Mut zuspricht, während sie selbst schüchtern in der Ecke steht. Die, die alles für andere gibt, aber sich dabei selbst immer mehr verliert.

Du lebst eine Maske.

Du lebst eine andere Version von dir und zeigst nicht, was für eine dicke dunkle Wolke über dir hängt und all deine Gedanken vernebelt. Aber das ist okay. Du darfst traurig sein. Du darfst melancholisch sein und dich verletzlich fühlen. Das ist menschlich.

Die meiste Zeit ziehst du dich in dein Zimmer zurück, hörst Musik und schreibst. Du bist gerne alleine und das sind wir immer noch. Auch das ist okay. Das ist nichts „unmenschliches“. Deswegen hast du nicht weniger Mitgefühl, Emotionen oder Menschlichkeit als andere.

Du schreibst Geschichten mit wundervollen Charakteren.

Charakteren, die alles sind, was du nicht bist.

Die alles erleben, was du nicht erlebst.

Die dir eine Plattform geben, all deine Gedanken und Gefühle zu zeigen.

Insgeheim bist du stolz darauf, aber das würdest du nie sagen. Insgeheim wünscht du dir, dass deine Familie und Freunde sich dafür interessieren, aber du hältst es geheim.

Du hast Angst aus deiner Ecke zu treten und dich ins Licht zu stellen. Du hast Angst dich und deine Gedanken preiszugeben. Du hast Angst, du selbst zu sein.

Denn du hast Angst, dass es niemanden interessieren könnte und du daran zerbrichst.

Ich verstehe dich, denn du bist und wirst immer ein Teil von mir. Ich fühle mit dir und ich sehe dich!

Ich interessiere mich für dich und all die wunderbaren Geschichten und Gedanken, die sich in deinem Kopf tummeln.

Ich weiß, dass es dir Angst macht, sich zu öffnen und dass du niemanden zur Last fallen willst. Du willst dich niemanden „aufbürden“.

Aber ich kann dir sagen, dass dies der mutigste und schönste Schritt ist, den du jemals machen wirst. Dass du dadurch eine stärkere Frau wirst und dass du die Welt mit deinen Geschichten und deiner besonderen Art erobern wirst!

Hab den Mut, in das Licht zu treten.

Hab den Mut über deine Geschichten, Gefühle und Gedanken zu sprechen.

Glaube mir, du wirst es nicht bereuen und du wirst ganz wunderbare Menschen auf deinem Weg kennenlernen.

Du wirst selbstbewusster werden.

Du wirst dich Jahr für Jahr mehr akzeptieren und lieben lernen.

Du wird immer mehr zu dir selbst werden.

Also, hab den Mut, du selbst zu sein. Mit jeder Faser deines Körpers und aus vollem Herzen! Sei du selbst. Lerne und wachse! Trau dich und riskiere etwas!

Denn glaube mir, zusammen werden wir noch großartige Dinge in diesem Leben machen. Zusammen werden wir die Welt erobern!

Glaub an dich wie ich an dich glaube,

die „erwachsene“ Jule

P.s.: Wenn du im Skyline Park arbeitest, dann Finger weg von den Sicherungen! Das erspart uns einen extrem peinlichen Moment … andererseits ist das auch eine sehr lustige Anekdote … Ok, vergiss, was ich gesagt habe! Hab einfach Spaß und sei du selbst.

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