Writing Prompt #1: Jemand sucht nach etwas

Writing Prompt #1: Jemand sucht nach etwas

Januar 27, 2019 0 Von Julia Valentina

„Hey Phil, was machst du da?“, fragte Linda. Phil kroch auf allen Vieren durch das Zimmer. Er murmelte unverständlich vor sich hin und hatte den Kopf gesenkt.
Linda trat näher an ihn heran. „Phil? Hallo!?“
Linda beobachtete ihn eine Weile – unschlüssig, was sie tun sollte. Immerhin arbeitete sie noch nicht lange mit Phil weswegen sie ihn noch nicht genau einschätzen konnte.

Sie versuchte es nochmal: „Suchst du was? … Phil?“
Phil murmelte vor sich hin – den Kopf gesenkt. Er tastete mit den Händen über den glatten Boden.

Patsch – Patsch – Patsch

„Wo sind sie?“, raunte er mit Verzweiflung in seiner Stimme. „WO? Ich … das kann nicht sein! Sie müssen hier sein!“

Patsch – Patsch – Patsch

Linda neigte den Kopf und musterte Phil, während sie sich fragte, ob sie es wagen sollte näher an ihn heranzutreten.

Ist das eine gute Idee?, fragte sie sich, während sie sich mit lauterer Stimme an Phil wandte: „Phil, ist alles in Ordnung? Was suchst du denn? Vielleicht kann ich dir helfen?“
Doch er ignorierte sie und betastete hektisch den Boden um sich herum, während er auf allen Vieren durch das Zimmer krabbelte. Sie konnte sein Gesicht immer noch nicht erkennen, aber seine Körperhaltung war angespannt. Beinahe panisch.

Patsch – Patsch – Patsch

„Phil? Hey!“, sagte Linda noch lauter und ihre Stimme wurde drängender. Doch als er immer noch nicht auf sie reagierte, seufzte sie frustriert und verschränkte die Arme vor der Brust.
Warum hatte ausgerechnet sie die Aufgabe bekommen, nach Phil zu sehen?
Jeder wusste, dass der Kerl einen an der Klatsche hatte. So richtig! Und doch war sie es, die zu ihm hinein geschickt wurde.
Vielleicht war das so eine Art Ritual für die Neulinge hier?, dachte Linda mürrisch.
„So eine Scheiße“, fluchte sie zwischen zusammengepressten Lippen und verdrehte die Augen, bevor sie zu Phil sah.
„Komm schon, Phil, ich kann dir helfen. Wenn du mir sagst, was du suchst, dann kann ich dir helfen“, bot sie an und diesmal hielt Phil inne. Linda hob die Augenbrauen.
„Na, klingt das nach einem Plan für dich?“, fragte sie nach und beobachtete ihn von der Tür aus. Wenn er durchdrehen würde, dann wäre sie schneller aus der Zelle draußen wie er “Spaghetti Bolognese” sagen konnte. Sie war zwar neu, aber sicherlich nicht dumm.

Patsch – Patsch – Patsch

„Ich meine, das wäre doch was“, meinte sie erneut. „Zusammen finden wir sicherlich schneller, was du suchst …und dann kannst du deine Medikamente nehmen, ok?“
Die anderen hatten sie zwar gewarnt, dass sie Phil nicht trauen sollte. Auf gar keinen Fall sollte sie auf ihn eingehen. Eigentlich hätte sie nur rein gehen und ihm seine Medikamente aufzwingen sollen.

Aber Linda war anders wie ihre Kollegen. Vielleicht lag es daran, dass sie noch neu war. Dass sie diesen Job noch nicht so lange machte und deswegen hatte sie noch Mitgefühl.

„Na? Das klingt doch nach einem Deal, findest du nicht?“, redete Linda weiter. „Aber jetzt sag mal, was genau du denn suchst?“
Phil setzte sich hin und starrte die gegenüberliegende Wand an. Er hatte Linda immer noch den Rücken zugewandt. Da begann der ältere Mann zu schluchzen an. Sein Körper erzitterte und er schien zu weinen.

Linda näherte sich ein wenig, hielt sich aber immer noch außer seiner Reichweite. Sie hatte zwar Mitgefühl, aber lebensmüde war sie nicht. Sie wusste, dass Phil an Schizophränie leidete. Sie wusste auch, dass er Wahnvorstellungen hatte.
Deswegen bekam er sehr starke Medikamente, die ihn die meiste Zeit müde machten. Normalerweise schlief er auch um diese Zeit schon.

Ihr Blick fiel auf seine Knochen, die spitz aus seiner Haut stachen und erzitterten, während der Mann schluchzte.
Linda trat noch etwas näher heran. Ihr Herz wurde schwer von Mitgefühl, dennoch blieb sie vorsichtig. Sie wusste, sie sollte nicht zu nah an ihn herangehen, aber sie wollte sicher gehen, dass er sich nichts angetan hatte.
„Phil?“, sagte sie mit leiser Stimme und ging langsam um ihn herum. Hatte er eine seiner Wahnvorstellungen? Hatte er seine Medikamente nicht genommen?
„Ich finde sie nicht mehr“, schluchzte Phil. Seine Stimme bebte und er schien zutiefst verzweifelt. Lindas Magen krampfte sich zusammen.

„Aber sie haben gesagt, dass ich sie rausnehmen soll … Sie haben gesagt, dass ich mich befreien muss … dass ich sie nicht mehr brauchen würde.“
„Was brauchst du nicht mehr?“, hakte Linda nach und eine dunkle Vorahnung erfasste sie. Da entdeckte die das Blut an seinen Händen und auf dem Boden vor Phil. Sie erstarrte und Angst breitete sich in ihr aus.
„Fuck“, hauchte sie und riss die Augen auf, als Phil sich zu ihr drehte. Sein Gesicht war blutverschmiert und seine Augenhöhlen waren leer, während seine Augäpfel leblos über seinen Wangen hingen.

Linda schrie entsetzt auf und wich zurück. Da begann Phil zu grinsen. Es war ein teuflisches Grinsen, das Linda die nackte Angst in die Glieder fahren ließ. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Brust.

Ende.


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