Gedankensalat: Ungeschminkte Wahrheit

Im November habe ich ein Experiment gewagt.

(Dramatische Musik wird eingespielt)

Ich habe mich einen Monat lang nicht geschminkt. Nicht einen einzigen Tag.

Ich bin ungeschminkt auf die Straße, ungeschminkt zu Arbeit und ungeschminkt zu Jobinterviews. Ich habe einfach alles ungeschminkt gemacht. Ich bin ungeschminkt durch’s Leben.

Ich habe die ungeschminkte Wahrheit gelebt …

(Dramatische Musik zu Ende)

Schon beeindruckend, wie oft man „ungeschminkt“ in einem Absatz schreiben kann, was? 😉

Die ungeschminkte Erkenntnis

Vielleicht fragst du dich, warum ich das gemacht habe? Oder falls du zu denjenigen gehörst, die nicht ungeschminkt vor die Tür gehen, bist du vielleicht entsetzt, schockiert oder vielleicht fasziniert?

Ich kann dir sagen, ich bin schockiert und fasziniert gleichermaßen. Und zwar von den Dingen, die ich mal wieder über mich selbst erfahren habe. #spoileralarm

Erstmal muss ich aber klarstellen, dass ich nicht zu den Frauen gehören, die sich viel schminken. Ich betone die Augen mit Kajal und Wimperntusche und verdecke Pickel mit ein bisschen Make-up. Bei ganz seltenen Gelegenheiten packe ich auch schon mal den Lippenstift aus. Aber ansonsten mache ich nichts.

Anderes Schminkzeug kenne ich nicht mal und habe auch absolut keine Ahnung, wie man das benutzt und wofür das gut ist. Was zum Beispiel ist ein Conditioner? … oh, warte. Das ist für die Haare nicht für das Gesicht, oder?

Wenn man das so hört, dann würde man meinen, dass mir es ja nicht schwer fallen sollte, ungeschminkt herumzulaufen.

Ja, das dachte ich auch.

Die ungeschminkte Wahrheit

Die geschminkten Gedanken

Ende Oktober, bevor ich zur Arbeit gegangen bin, habe ich mich wie jeden Tag geschminkt. Bisschen Kajal und Wimperntusche, ein paar Pickelchen abdecken und voilá!

Prüfend habe ich mich im Spiegel betrachtet und mir dann zufrieden zugenickt:

„Perfekt! So sehe ich schön aus. So fühle ich mich attraktiv.“

Ich hielt inne und ließ diesen Gedanken in meinen Kopf verweilen, während eine bittere Erkenntnis in mein Bewusstsein sickerte:

Ich schminke mich, um anderen zu gefallen. Ich schminke mich, weil mich das attraktiv macht. Ich schminke mich, weil ich schön sein will.

Hier, meine lieben Leser, kommen wir zu meinem ersten WTF-Moment in diesem Artikel. 😉

Als mir diese Gedanken bewusst wurden, bin ich zutiefst erschrocken. Denn ich würde mich eigentlich als eine selbstbewusste und selbstliebende Frau bezeichnen. Jemand, der mit seiner Ausstrahlung und Präsenz andere Menschen begeistern kann.

Aber hier stand ich nun vor meinem Spiegel mit der Tatsache, dass ich mich schminke, weil ich anderen – vor allem Männern – gefallen will.

Nicht mir. Anderen. (WTF?!)

Ich meine, es ist nichts Verwerfliches sich zu schminken, um sich selbst zu gefallen. Wenn man zum Beispiel seine Augen mit Kajal oder Wimperntusche betonen möchte. Oder seine Lippen mit Lippenstift. Da spricht absolut nichts dagegen.

Aber die Tatsache, dass ich das nur für andere mache, weil ich meine, dass ich so gefallen … Das hat mich entsetzt.

Dazu habe ich dann auch noch feststellen müssen, dass ich mich ohne Schminke nicht hübsch fühle. Vor allem meine Augen, die dann nicht betont werden, fand ich seltsam. Es war so ungewohnt und sah „nicht gut“ aus.

Und hier haben wir den nächsten „WTF“-Moment.

Das ungeschminkte Experiment

Deswegen hatte ich beschlossen, dass ich mich jetzt einen ganzen Monat nicht schminken werde. Ich wollte mich herausfordern, mich ungeschminkt schön zu finden. Ich wollte mich selbst mehr lieben.

Die ungeschminkte Wahrheit

Die ersten Tage waren nicht leicht. Vor allem ungeschminkt in die Arbeit zu gehen war … komisch und ich habe mich tatsächlich unwohl gefühlt. Ich hatte Angst, dass man mich nicht bemerkt. (WTF?! )

Jap, ich hatte tatsächlich Angst, dass ich nicht auffalle, wenn ich ungeschminkt bin. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, wie sehr mein Selbstwertgefühlt von ein bisschen Farbe in meinem Gesicht abhing.

Ich habe mich gegenüber meinen geschminkten Kolleginnen häßlich und unscheinbar gefühlt. Doch ich hab mich davon nicht einschüchtern lassen und dachte mir „Jetzt erst Recht! So geht das nicht!“.

Ich habe all diese Zweifel, Gefühle und Ängste wahrgenommen. Ich habe sie mir angeschaut, akzeptiert und sie dann gehen lassen.

Das Faszinierende während dem Experiment war, dass mein Blick auf mich sich irgendwann geändert hat. Nach einer Woche war es für mich schon nicht mehr so ungewohnt, wenn ich in den Siegel geschaut habe. Es war okay.

Nach der zweiten Woche fing ich an mein ungeschminktes Gesicht mehr und mehr zu mögen. Mein Selbstbewusstsein stieg und auch meine Selbstliebe hat nochmal einen weiteren Push bekommen.

In der dritten Woche war es dann selbstverständlich, dass ich ungeschminkt herumlaufe und ich fühlte mich attraktiv. Ich kann dir sagen, dass war so befreiend und es hat meine Laune in den Himmel hochsteigen lassen. Ich habe viel gelacht, war fröhlich und habe mit Männern geflirtet.

In der vierten Woche habe ich jedes Mal gelächelt, wenn ich mich im Spiegel sah und sogar meine Augen haben mir gefallen. Obwohl die mein größtes „Problem“ am Anfang waren.

Die ungeschminkte Wahrheit

Ich finde es sehr faszinierend und spannend, wie so eine kleine Aktion etwas so Großes auslösen kann. Denn dadurch, dass ich mich gezwungen habe, ungeschminkt herumzulaufen, habe ich mich nach und nach noch mehr geliebt. Ich habe mich mehr schätzen gelernt und war mehr mit mir im Einklang.

Mittlerweile weiß ich auch, woher diese Gedanken kamen, dass ich mich nicht hübsch gefühlt hatte, wenn ich ungeschminkt herumlief.

Sie kamen von der Teenager Jule, die sich immer zu fett, zu häßlich und zu unscheinbar gefühlt hat. Die fest geglaubt hat, dass sie niemand wegen ihrem Äußeren in irgendeiner attraktiv finden würde.

Die sich dann angefangen hat zu schminken, weil das andere Mädchen auch taten. Denn sie wollte dazu gehören. Sie wollte auch gesehen werden.

Irgendwann ist der Grund, warum ich mich schminke, verschwommen. Ich habe mir gesagt, dass ich das für mich tue. Weil es mir ein gutes Gefühl gibt. Doch das war wohl nicht ganz so wahr. 😉

Nun ist der Monat vorbei und ich weiß momentan nicht, ob ich mich überhaupt nochmal schminken werde. Vielleicht, wenn ich Lust dazu habe, ja. Aber durch das Experiment habe ich gemerkt, dass ich es nicht mehr brauche.

Ich brauche keine Schminke, um mich schön zu fühlen. Ich brauche keine Schminke, um mich attraktiv und sexy zu fühlen. Abgesehen davon halte ich es wie Wonder Woman: #fangirlmoment

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Quelle: Giphy

Etwas, das mir während dem Experiment auch wieder klar geworden ist, dass „sich schminken“ gleichzustellen ist mit „schlank sein“. Überall wird propagiert, dass, wenn du schlank bist und dich schminkst, du schön und sexy bist. Nur dann bist du schön. Nur dann bist du es wert, geliebt zu werden.

Ich muss sagen, dass mich das immer aggressiver und wütender macht. Vor allem, weil ich merke, wie sehr diese falschen Schönheitsideale mich vergiftet haben und wie schwer es ist, sich dessen bewusst zu werden.

Genauso schwer und manchmal schmerzhaft ist es, wenn man sich eingestehen muss, dass man das glaubt oder geglaubt hat. Dass man nicht so ein unabhängig denkender Mensch ist. Dass man sich nicht so sehr liebt, wie man es dachte.

Daher würde ich dich ermutigen, auf deine Gedanken zu achten und in dich öfters zu hinterfragen, warum du dich zum Beispiel schminkst oder wieder eine Diät machst.

Machst du das für dich? Oder weil du den anderen gefallen willst? Willst du den Gesellschaftsvorstellungen gerecht werden? Liebst du dich wirklich wie du bist?

Mir ist dabei nur wichtig, dass du lieb zu dir bist, dass du dir verzeihst und dich liebst. Denn du bist dir selbst die wichtigste Person. 😉

Und das ist die ungeschminkte Wahrheit.

 

 


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4 Kommentare zu „Gedankensalat: Ungeschminkte Wahrheit

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  1. Yaaaas bitch geiler Artikel!!! 🤟❤️🤟😅
    Erstmal musste ich beim conditioner ziemlich lachen… Ich bin was das angeht nämlich genauso blöd wie du und hatte es dir total abgenommen, dass man sich conditioner ins Gesicht schmiert😂
    Demnach bin ich auch nicht, der großartig was hermacht… Makeup Grundierung über die rötungen und Wimperntusche. Wenn ich mal hart Bock habe, dann unscheinbare Farbe auf die Augen und ein liedstrich (du glaubst nicht wie stolz ich war als ich den jz mit 20 zum ersten Mal wackelig hinbekommen habe 😂 😂)
    Ich kenne total diesen Automatismus, sich das Zeug ins Gesicht zu klatschen, weil man es eben so macht. Wie krank ist es eig. Ich meine, man steht morgens auf, zieht das verschlafene Gesicht erstmal grade (bis hierhin verständlich), schaut in den Spiegel, denkt vll „Joa, guten morgen, schön dich zu sehen“ aber erst nachdem man ein beautyprodukt über sich ergossen hat denkt man, sich schön nennen zu können. Ich bin recht froh, dass es bei mir eig nie so ausgeprägt war… Wobei ich auf arbeit immer die rötungen überdecke. Und eben nicht, weil ich mich dann schöner fühle, ich mag mich ungeschminkt total, bin diesen Anblick von mir einfach auch seit Jahren gewohnt, aber da bleibt dieser Angst, was die anderen nur denken könnten, wenn sie sehen, dass ich Hauptprobleme und rötungen habe… Total bescheuert.
    Deswegen versuche ich auch immer wieder, bewusst das Makeup Mal nicht zu verwenden. Dann gehe ich auf arbeit, schaue in der pause beim Hände waschen in den Spiegel und denke „siehst du Luna, siehst aus wie immer. Und keiner hat sich angewidert von dir abgewendet“
    Das hilft enorm.
    Also echt coole Aktion!
    Und das mit den Augen kann ich auch gut nachvollziehen. Wenn ich doch mal einige Wochen habe, in denen ich richtig Lust habe, mir die Augen zu schminken (und das mache ich tatsächlich nur für mich, ich hoffe du entschuldigst, dass ich an dieser Stelle kurz etwas stolz auf mich bin^^), dann ist es total komisch, mich wieder umzustellen. Ich denke dann auch immer, dass die Augen plötzlich viel kleiner sind und verschwinden…
    Aber ganz ehrlich?
    Natur ist meiner Meinung nach immer noch das schönste!

    Hau rein du liebe, einen schönen Abend dir❤️🤟

    1. Danke für deine Gedanken dazu und wie gesagt, solange du das für dich machst, darfst du auch stolz sein. 😀 Und dafür musst du dich auf gar keinen Fall entschuldigen, meine Liebe. 😉 Du machst das nämlich genau richtig. Und auch das mit den Hautrötungen und dass du diese doch ab und an nicht abdeckst, Hut ab! Ich erlaube mir jetzt mal auch auf dich stolz zu sein. 😀
      Ja, die Augen. ^^ aber auch dazu ganz ehrlich, wenn man mit jemanden redet und ihm in die Augen sieht, dann braucht es keine Schminke, um die Schönheit darin zu sehen. 😉
      Übrigens das mit dem Liedstrich hab ich nie probiert, weil meine Finger dazu viel zu wacklig sind. 😀 aber Respekt, dass du das schaffst. ^^ Und ich musste auch sehr lachen bei dem ersten Satz mit „Yaaaaas bitch“ 😀 Aber ja, diese komischen Conditioner … ^^
      Also danke für deinen Kommentar, liebe Luna, und hau rein. 😉

      1. Haha ja schön, dass du den ersten Satz mit Humor nehmen konntest, kurz war ich am zögern, aber dann dachte ich, wenn das eine versteht, dann du 😉
        Es ist aber auch wirklich so : man sollte sich viel öfter darauf besinnen, was man denkt, wenn man andere ansieht. Wenn die zum Bsp ungeschminkt sind, alte Klamotten tragen, keine perfekte Frisur haben, keine große Oberseite was auch immer… Wir denken nie abfällig über sie, im Gegenteil! Wenn uns der Mensch sympathisch ist, dann denken wir „Wow, die Person ist wunderschön“
        Wir sollten uns mal so betrachten, wie die anderen…

  2. wow. Ich bin fasziniert und begeistert.
    Der Witz ist eigentlich, dass ich mich immer nur extrem selten geschminkt hab. Erst seit kurzem mach ich es regelmäßig und wie du schon sagst, es sit ein Automatismus und man weiß eigentlich schon gar nicht mehr warum man das macht.
    Ganz zu schweigen von dem ganzen Müll, den die Kosmetikindustrie produziert.
    Automatismen sind nur dann gut, wenn Sie deine Gesundheit fördern und ich denke mal nicht das Schminke dazugehört. Ab sofort bin ich also wieder bei dir und bemale mich nur zu besonderen Gelegenheiten. Danke für den Artikel 🙂

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