Gedankensalat: „Du bist komisch.“

Du bist komisch„, sagt meine Kollegin und verzieht das Gesicht. Unzählige Fragen schreien mich aus ihren Augen an. Sie hat die Augenbrauen eng zusammengekniffen, als könnte sie nicht ganz begreifen, was oder wen sie da vor sich hat.

Ich grinse sie breit an. „Ja, ich weiß.“
Ihre Augen werden groß – die Fragen darin nach größer – und der Mund klappt ihr auf. „Du weißt es?“
„Klar, und ich liebe es.“

Heute ist mein Selbstbewusstsein stark genug, dass mich diese Aussagen nicht mehr verletzen.

Nein, sie freuen mich sogar. Denn ich bin verdammt stolz auf meine Macken, verrückten Eigenarten und allem, was andere Menschen eben als „komisch“ empfinden. Ich sehe das als Kompliment, denn ich liebe mich wie ich bin. 😉

 

Jess aus New Girl über komisch sein
Jep, Jess aus New Girl weiß auch Bescheid. 😉 (Quelle: Giphy)

Doch das war nicht immer so …

Der Weg in den Schatten aka „Sei unsichtbar, dann fällst du nicht auf, wenn du komisch bist“

Die drei magischen Worte „Du bist komisch“ haben mich bereits durch mein gesamtes Leben begleitet.

Früher tauchten sie immer dann auf, wenn ich sie nicht brauchen konnte. Vor allem in meiner Teenagerphase, als das Selbstbewusstsein irgendwo mit dem Selbstwert Ball gespielt hat und mich alleine mit meinen schwermütigen und selbstmitleidigen Gedanken gelassen hat. In dieser Phase haben diese Worte tiefe Wunden hinterlassen, die ich erst heilen musste.

Du bist komisch“ war damals für mich ein persönlicher Angriff und es hat mich verletzt. Denn ich wollte es nicht wahrhaben und ich wollte es schon gar nicht erst hören.

Denn „komisch sein“ würde ja bedeuten, dass ich anders bin, dass ich nicht dazugehöre. Dabei wollte ich früher nichts mehr als dazu gehören.

Doch noch viel mehr als das, wollte ich gesehen werden. Ich wollte gehört werden.

Aber nicht als die Komische, die mehr auf Animes und Mangas als auf Alkohol stand. Oder die ständig alleine in ihrem Zimmer war und Parties gemieden hat. Die gerne zur Schule ging und den Lateinunterricht geliebt hat … usw.

So wie ich war gehörte ich nicht zu den „coolen“ Kindern. Die Angst, was die anderen über mich dachten, war stets präsent, und damit verbunden der Wunsch und der Sehnsucht einfach „normal“ zu sein.

Als ich aber dann merkte, dass das nicht klappte, habe ich getan, was mir damals als richtig erschien. Ich habe nicht selbstbewusst und stolz meine Macken präsentiert.

Nein, ich habe mich unsichtbar gemacht. Ich habe mich sehr oft zurückgehalten und war anwesend, aber nicht ich. Ich habe mich so unauffällig wie möglich verhalten und ich bin mir sicher, dass es viele in meiner Abiklasse gibt, die keine Ahnung haben, dass ich mit ihnen Abi gemacht habe.

Aber das ist der Preis, wenn man in den Schatten tritt und sein wahres Ich in einen Käfig aus Angst, Unsicherheit und den Vorstellungen anderer sperrt. Das ist ein wenig wie im Tierreich, wenn ich manche Tiere tot stellen, um zu überleben.

Genau das habe ich gemacht. Ich habe mich tot gestellt.

Der Weg aus den Schatten aka „Oh, es gibt noch mehr Komische wie mich!“

Doch je älter ich geworden bin und je mehr ich an meiner Selbstliebe und meinem Selbstbewusstsein gearbeitet habe, desto mehr habe ich festgestellt, wie scheiß wahr und geil das ist, wenn man komisch ist. 😀

Ja, ich feiere es, wie mein Bruder Nils sagen würde.

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Hell yeah! Gott, die Kleine ist der Hammer, oder? 😀 (Quelle: Giphy)

Nicht nur, weil man als Wassermann eh darauf steht, wenn man nicht „normal“ ist. Ein Hoch auf die Originalität! Jap, hier ein kleiner Sternzeichenbezug für euch. 😉 Ihr dürft mir später danken. 😀

Sondern ich habe auch Menschen kennen gelernt, die genauso komisch – manchmal auch etwas komischer – sind und denen es egal war, was die anderen denken. Sie haben all ihre Macken ausgelebt und waren sie selbst.

Mit diesen einzigartigen Menschen an meiner Seite bin ich dann langsam aufgeblüht und habe erkannt, wie wunderschön die Worte „Du bist komisch“ klingen können.

Jahr für Jahr und Schritt für Schritt bin ich aus meiner Totenstarre erwacht und langsam aus dem Schatten heraus getreten.

Das Leben nach dem Schatten aka „Embrace your weird“ 

Es gibt einiges, was ich gelernt habe, während meinem Weg aus dem Schatten. Zum Beispiel, dass man sein wahres Ich nicht verstecken sollte, weil man Angst hat, dass man dann nicht dazu gehört.

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Das „dazu gehören“ ist nicht das Wichtigste im Leben und es ist viel schöner, wenn man irgendwann die richtigen Menschen in seinem Leben hat, die einen genau für diese komische Eigenarten mögen. Scheiß auf die „coolen“ Kinder. 😉

Wenn ich eines meinem früheren Ich mitgeben hätte können, wäre es Folgendes gewesen:
Sei du selbst und scheiß darauf, was die anderen über dich denken. Du bist komisch und das ist gut so. 😉
Oder ich würde mir einfach das Zitat von Ben Platt in meinem Zimmer aufhängen:
„Don’t waste any time trying to be anyone but yourself, because the things that make you strange are the things that make you powerful.“ – Ben Platt

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