Buchfazit: Die Brautprinzessin

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Autor: William Goldman

Titel: Die Brautprinzessin

Originaltitel: The Princess Bride

Genre: Fantasy-Satire

Wie kam das Buch zu mir?

Die Brautprinzessin“ habe ich tatsächlich von einer Freundin empfohlen bekommen. Denn mal ganz unter uns, liebes Internet, das ja so gut Geheimnisse für sich behalten kann, ich hätte das Buch ansonsten wahrscheinlich ziemlich sicher nicht gelesen. Vor allem, weil das Coverdesign mich persönlich nicht so anspricht. Ich bin kein großer Fan von Pink, obwohl der Totenkopf und die Schwerter sind eigentlich auch schon wieder ganz cool … Und der Titel klingt auf den ersten Leseblick für mich wie einer dieser kitschigen Liebesromane, von denen ich jetzt nicht der größte Fan bin.

Doch man soll sich ja nicht vom Cover eines Buches täuschen lassen (ist das nicht wunderbar tiefsinnig?) und überraschenderweise ist „Die Brautprinzessin“ gegen meinen Erwartungen ein herrlich satirisches Märchen über das Retten einer Prinzessin vor einer Zwangsheirat (wie sollte es auch anders sein in Märchen) und den Abenteuern des tollkühnen Retters/Piraten und seinen coolen Sidekicks.

Doch jetzt zu dem Inhalt des Buches, das übrigens bereits 1987 schon verfilmt wurde. Gott-sei-Dank, denn woher hätte ich ansonsten so passende Gifs bekommen?

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Mmh … ja, nein … also, naja, eigentlich schon.

 

Um was geht es denn jetzt?

Eigentlich geht es um die schöne Butterblume und den Stalljungen Westley, die sich ineinander verlieben. Doch ihre Liebe wird von dem Prinzen Humpernick bedroht und sie müssen diverse Abenteuer, wagemutige Fechtkämpfe, hinterlistige Fallen und gemeine Folterungen überstehen, um endlich wieder vereint zu sein. Dabei treffen sie auch auf den Spanier Inigio und den Türken Fezzik, die zu meinen Lieblingen aus dem Buch gehören. Mehr will ich erstmal nicht verraten. 😉

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Das hat mir gefallen:

Besonders gelungen und lustig fand ich die Situationskomik in dem Buch, die mich oft zum Schmunzeln gebracht hat. Eine meiner Lieblingsszenen war, als Fezzik, Inigio und der Sizilianer Butterblume entführen und mit einem der schnellsten Schiffe fliehen. Dabei wägen sie sich in Sicherheit und sind davon überzeugt, dass keiner ihnen bereits auf der Spur ist. Dieser geniale Dialog findet auf dem Schiff dann zwischen Inigio und dem Sizilianer statt:

„Niemand könnte jetzt schon hinter uns her sein?“, fragte der Spanier.

„Niemand“, versicherte ihm der Sizilianer. „Es wäre undenkbar.“

„Absolut undenkbar?“

„Absolut und total und auch sonst undenkbar“, versicherte der Sizilianer. „Warum fragst du?“

„Nichts weiter“, antwortete der Spanier, „ich hab bloß zufällig eben nach hinten gesehen, und da ist etwas.“

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Dieses „Hinauszögern“ ist ein beliebtes Stilmittel des Autors, das er auch in der folgenden Szene benutzt, als Yeste, ein sehr reicher und berühmter Schwertermacher, zu Inigios Vater kommt und diesen versucht zu überzeugen, dass Inigios Vater ein Schwert für ihn anfertigen soll.

Yeste ließ seinen Charme spielen.

„Nein.“ (Inigios Vater)

Yeste brachte zur Geltung, wie reich er war.

„Nein.“

Dann kam sein Witz, seine wunderbare Überredungsgabe zum Einsatz.

„Nein.“

Dann kamen Bitten, Flehen, Versprechen, Schwüre.

„Nein.“

Beleidigungen, Drohungen.

„Nein.“

Zuletzt echte Tränen.

„Nein. Willst du noch Tee, Yeste?“

Großartig sind auch die satirischen Einschübe des Autors, wenn er dem Leser bestimmte Sachverhalte oder Ereignisse erklärt, damit man mehr ein Gespür von der Welt bekommt. Einmal geht es zum Beispiel um das Berufsbild „Coiffeure“:

Coiffeure gab es schon längst; es gab sie eigentlich schon, seit es Frauen gibt; Adam war der erste, wenn auch die Theologen sich alle Mühe geben, dies zu verdunkeln.

Was ich noch erwähnen möchte, was ich absurd gut fand, ist, dass die Charaktere immer sehr höflich zueinander sind. Auch, wenn es um Leben und Tod geht, spielen immer Ehre und gute Manieren eine wichtige Rolle. In der Folterszene mit Westley bittet der Graf ihn, dass er ehrlich sein soll, wie viel Schmerz er spürt, denn das wäre sehr wichtig für seine Forschung. Westley stimmt höflich im Namen der Wissenschaft zu … Ja, natürlich. Ich meine, was macht man nicht alles für die Forschung und Wissenschaft.

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Das hat mir nicht gefallen:

William Goldman meldet sich zwischendurch immer wieder persönlich mit pinkfarbenen Einschübe (Ja, Pink! Urrrgh …) zu Wort. In diesen erklärt er, was er gekürzt hat oder wie er diesen Teil der Geschichte als kleiner Junge erlebt hat.

Die Informationen zu seinen Kürzungen fand ich persönlich noch interessant, weil ich hätte nicht wirklich 40 Seiten darüber lesen wollen, was alles in das königliche Gepäck musste, wenn man einen Staatsbesuch macht.

Aber die Einschübe von ihm, die mitten in die Geschichte reinplatzen, um dann zu erklären, wie er sich als kleiner Junge dabei gefühlt hat, als sein Vater ihm das vorgelesen hat, empfand ich ziemlich nervig. Als, ob es mich bei dieser spannenden Szene interessiert, was er als kleiner Junge gemacht hat …

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Dieses Gif musste unbedingt rein … 😀 Not sorry. ^^

Weitere Lieblingstellen:

Während der Folterung von Westley, lief mir tatsächlich dieser makabre, schöne Satz über den Weg:

(…) sein Gehirn glitt davon, weit ab von der Liebe in die tiefe Sünde der Verzweiflung, schlug hart auf, fiel noch einmal, hinunter durch das Haus der Qualen in die Grafschaft des Schmerzes.

Hier lässt Prinz Humpernick seinen ganzen Charme spielen, um Butterblume für sich zu gewinnen:

„Ich muss jetzt um sie werben“, sagte der Prinz. „Lass uns mal für eine Minute allein.“ Und er ritt gekonnt den Hügel hinunter. (…) „Ich bin dein Prinz, und du musst mich heiraten.“, sagte Humpernick.

Und hier zum Schluss einfach noch ein wunderschöner Satz:

Fast konnte ich spüren, wie sich mein Herz in das Kissen hinein entleerte.

 

Würde ich es weiter empfehlen?

Ja. 🙂

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Ein Kommentar zu „Buchfazit: Die Brautprinzessin

Gib deinen ab

  1. Auch wenn ich glaube, dass das Buch nicht unbedingt was ist, was ich lesen möchte (auch wenn es wirklich urstkomisch klingt^^) ich finde deine Rezension richtig klasse! Mal irgendwie so ganz anders und erfrischend und auf eine ganz eigene Art total gründlich. Oft habe ich nach einer Rezension das Gefühl, keinerlei Ahnung vom Buch zu vermitteln, doch das machst du richtig klasse, wie ich finde 🙂

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